Die Kirchengemeinde Nordwalde-Altenberge

Wer wir sind und woher wir kommen - Gemeindegeschichte

Die Evangelische Kirchengemeinde ist in den Orten Nordwalde und Altenberge unmittelbar  in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1946/47) durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen entstanden. Verschiedenste Prägungen, Traditionen und Gewohnheiten wurden angesichts der Not der Menschen dem gemeinsamen Ziel, zusammenzukommen, in der evangelischen Diaspora  „eine eigene Gemeinde zu sein“, untergeordnet. 

Diese Sammlung verschiedener Menschen evangelischen Bekenntnisses durch den ersten Pfarrer der Kirchengemeinde, Pfarrer Walter Nolting, begann 1945/46 zunächst in Nordwalde, später ab 1948 auch in Altenberge. Vor Ort stand zu allererst die ganz praktische Arbeit im Mittelpunkt: die Leib- und Seelsorge für die heimatlos gewordenen Menschen, sowie ganz elementare organisatorische Fragen, zB. die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für Gottesdienste und Zusammenkünfte. Weiterreichende Fragen, zB. wie die entstehenden Gemeinschaften in übergeordnete Ebenen einzubinden und zu organisieren sind (der Kirchenkreis Steinfurt wurde erst 1953 (!) gegründet) blieben lange ungeklärt in der Schwebe. So ist zu erklären, dass  Pfarrer Nolting (der an Emsdetten angebunden war) seine Arbeit zunächst in Nordwalde aufnahm, während Altenberge zunächst organisatorisch zu Münster gehörte und in den ersten Nachkriegsjahren auch von dort aus versorgt wurde.

Nur wenige Jahre später wurden Nordwalde und Altenberge jedoch zum 5. Pfarrbezirk der  Evangelischen Kirchengemeinde Emsdetten zusammengefasst und gemeinsam von Pfarrer Nolting versorgt. Neben der Ortsnähe als praktischem Grund sprach vermutlich auch die Verbundenheit der Menschen untereinander für diese Entscheidung, die als Flüchtlinge und Vertriebene ein verbindendes, gemeinsames Schicksal hinter sich hatten. Da im Gegensatz zum dörflich geprägten Altenberge in Nordwalde die Textilindustrie zahlreiche sichere Arbeitsplätze bot, entwickelte sich dieser Gemeindeteil in dieser Zeit (1950er Jahre) zum zahlenmäßig wesentlich größeren Teil der Kirchengemeinde. Neben dem Pfarrhaus mit dem Pfarramt entstanden in Nordwalde rund um den Bispinghof verschiedene evangelische Einrichtungen, wie die Ev. Jugendbildungsstätte und ein Ev. Heim für Kinder und Säuglinge, die spätere Evangelische Jugendhilfe. 
In der Folgezeit ist die weitere Geschichte der Gemeindeentwicklung durch die Wanderungsbewegungen aus dem Ballungsraum Münster beeinflusst. Familien, die nach geeigneten Baugrundstücken suchten, fassten zunehmend stärker die Orte im Umland – mit geeigneter Verkehrsanbindung -  in den Blick. 

So veränderte vor allem Altenberge ab Ende der 60er Jahre durch Zuzug die soziologische Zusammensetzung der Kirchengemeinde. Erwerbstätige aus dem Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich ließen sich vor allem in Altenberge nieder und suchten Anbindung an die Kirchengemeinde. Parallel dazu zeichnete sich in Nordwalde die Krise in der Textilindustrie ab, die mit einem stetigen Abbau von Arbeitsplätzen verbunden war. In den letzten 15 Jahren wuchs so der  Gemeindeteil Altenberge  im Vergleich zu Nordwalde deutlich stärker an, um mittlerweile – bedingt durch die erneute Expansion in der Bautätigkeit in den 90er Jahren – den Nordwalder Gemeindebezirk zahlenmäßig zu überflügeln. 
Organisatorisch wurde dieser Wachstumsentwicklung bereits 1987 Rechnung getragen, als die Kirchengemeinde Nordwalde-Altenberge als eigenständige Kirchengemeinde innerhalb des Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken von Emsdetten abgepfarrt wurde. Im Rahmen dieser Entscheidung wurden auch Bedenken diskutiert, ob die beiden Orte durch diese Neuorganisation in ein gefährliches konkurrierendes Gegeneinander geraten könnten.  Jedoch angesichts der Erfahrungen der Vergangenheit, in denen man sich stets gemeinsam dem städtisch geprägten Emsdetten gegenüber Gehör und Geltung verschaffen musste, schien diese Regelung von erheblichem Vorteil, da sich nun zwei Bezirke von ihren Rahmenbedingungen her sozusagen auf „Augenhöhe“ begegneten. 

Personaltechnisch wurde der Pfarrer der Kirchengemeinde angesichts des Gemeindewachstums zunächst durch die verstärkte Zuweisung von Vikarinnen und Vikaren sowie Pastorinnen und Pastoren „im Hilfsdienst“ entlastet, die jeweils für  1 ½ - 2 Jahre Dienst in der Gemeinde taten. 

1996 wurde schließlich auf Drängen des Presbyteriums eine sogenannte „ständige Hilfsdienststelle“ mit Schwerpunkt Altenberge eingerichtet - somit sollte der allzu  häufige Wechsel der Ansprechpartner vor Ort vermieden werden, zumal der Pfarrstellinhaber mit verschiedenen zusätzlichen Aufgaben auf Ebene des Kirchenkreises betraut wurde. 

Zwischenzeitliche Hoffnungen, durch weiteres Wachstum der Gemeinde in den Genuß einer weiteren festen Pfarrstelle zu kommen, wurden durch die Berechnungsgrundlagen der Landeskirche zerstreut, die angesichts der sich abzeichnenden demographischen und finanziellen Veränderungen von rund 3000 Gemeindegliedern pro Pfarrstelle ausgeht- ein Quorum, dass die Kirchengemeinde Nordwalde-Altenberge derzeit knapp zu 100% erfüllt. 

Ulf Schlien